Noras Geschichte

Am 26. Oktober 2010 erblickte ich irgendwo auf dieser Kugel das Licht der Welt.
In meiner Kindheit lief vieles schief. Nichts von Welpen-Schule oder frohes herumtollen mit anderen Hunden. Ich war ganz auf mich allein gestellt in einem Zwinger mit zwei ausgewachsenen Deutschen Doggen, die meistens von den Menschen auch vergessen gingen. Daher bin ich auf diese Hunde nicht gut zu sprechen.

Doch an Ostern 2011 kam da plötzlich so ein komischer Mensch daher, der, ich glaubte es kaum, mit mir spielte. Das war am Ostersonntag. Am Ostermontag stand er plötzlich wieder bei mir im Zwinger, und spielte mit mir. Das war völlig neu und ungewöhnlich für mich. Ich spürte eigentlich sofort, dass der von Hunden nicht unbedingt eine grosse Ahnung hatte. Aber irgendwie funkte es zwischen uns zwei, und unser Leben änderte sich von einem Tag auf den andern.

Die Menschen, bei denen ich lebte, wollten mich los werden und ins Tierheim bringen.
Stattdessen wurde ich aber am Dienstag in ein grosses Auto verladen, und mein neuer Mensch, der Märku, fuhr mit mir von Norddeutschland in die Schweiz. Ja, so eine kleine Strecke von etwas mehr als 900 km. Ich machte es mir hinten im Auto auf dem Gepäck gemütlich, und verschlief die meiste Zeit der Reise. Ein paar mal hielt er kurz an. Ich wurde aus dem Auto gehoben und durfte ein paar Schritte an der Leine gehen um meine Geschäfte zu verrichten. Ja, der Märku sagt immer, wenn wir unterwegs sind:
„Es gibt genau zwei Gründe, anzuhalten, wenn man unterwegs ist. Erstens, wenn man Tanken, und zweitens wenn man pinkeln muss‟.
Er wusste natürlich nicht, wann ich Pinkeln musste, und hatte Angst, ich würde ihm ins Auto pinkeln. Deshalb hielt er etwas öfter an, als dass er es sonst getan hätte. Bloss am Zoll hielt er nicht an. Denn er war der Meinung, dass man ein Geschenk nicht verzollen muss, und nach rund 800 km Deutsche Autobahn musst du dem Märku auch nicht blöd vorbeikommen. Das geht sich nicht gut aus. Zudem war ja alles in Ordnung mit mir. Ich habe einen Europäischen Tierpass, einen Deutschen Chip, und geimpft war ich auch. Also, was soll's? Nun, etwas ging vergessen, und das gab dann eine Busse. Aber davon später.

Mein neues zu Hause war natürlich nicht auf Hundehaltung eingerichtet. Da war vieles, das interessant war, und auf dem man herum beissen konnte. Das meiste hat mir der Märku aber weggerissen, da er keine Freude hatte, wenn ich es ihm verbiss. Das war der Vorteil im Zwinger. Da konntest du alles verbeissen, das du gefunden hast. Aber die Vorteile in meinem neuen zu Hause waren alles andere, als mein vorheriges Leben. Das Futter, das bereit steht ist meines. Ich muss es mit keinem anderen teilen.
Ich durfte sogar beim Märku im Bett schlafen, was ich noch heute gerne tue. Und da mein Mensch arbeitslos war, hatte er natürlich jede Menge Zeit für mich. So gingen wir täglich spazieren. Und ich lernte eine neue Welt kennen. Es gab andere Hunde, mit denen ich spielen und herumrennen konnte. Auch gab es viel neues zu entdecken. Und oft ärgerte ich den Märku, weil ich ihm nicht gehorchte ;-)

Ach ja, so einen komischen Kurs hatten wir noch besucht. Da waren auch noch andere Menschen mit ihren Hunden. Aber wir durften fast nie ab der Leine. Auch durften wir uns zur Begrüssung nicht gegenseitig beschnuppern. Die haben aber auch keine Ahnung von Hunden. Zudem mussten wir so komische Übungen machen. Ich verstand den Sinn nicht ganz dahinter. Doch der Märku meinte, das müssen wir jetzt durchziehen, und er sei froh, n dass er da noch ein paar gute Tips erhalte. Ja bloss, um mich auszutricksen.
Aber danach verstanden wir uns immer besser, und ich durfte auch öfter ab der Leine und selber im Wald herum rennen. So wurde ich bald einmal der Schrecken der anderen Menschen, die mit ihren Hunden unterwegs waren. Wenn ich sie traf, veranstaltete ich jeweils ein richtiges Durcheinander. Kaum tauchte ich irgendwo auf, forderte ich alle Hunde zum Spielen auf, und wir hatten eine tolle Party.
Märku liess mich sterilisieren. Das war gar nicht lustig. Und das ohne mich zu fragen. Die Operation tat verdammt weh. Ich musste so ein dämliches Body tragen, das verhinderte, dass ich an der Wunde lecken konnte. Doch mit der Zeit war das auch überstanden.
Nun, der Märku wollte nicht, dass es Nachwuchs gibt, nur weil er einen Moment nicht aufgepasst hat. Zudem mag ich es eh nicht, wenn mir ein Rüde aufsteigt.
Gerne gehen wir auch an die Aare spazieren. Märku nennt sie immer den Yukon. Weiss zwar nicht wieso, aber Spass macht es dort immer. Sommer wie Winter kann ich dort schwimmen gehen. Manchmal hat es eine tolle Strömung, siehe Bild, und dann wieder fast kein Wasser. Und man trifft immer wieder andere Hunde. Bei schönem Wetter etwas mehr als bei Regen ;-)
Und, bsst, im Sommer hat es immer wieder etwas zum futtern. Märku flucht jeweils immer wieder über die, wie er sagt, verdammten „Aarebördlibrötler“, weil sie immer ihren Dreck liegen lassen.

Der Märku hatte zwischendurch mal einen Job. Dabei liess er mich dann allein zu Hause. Wir gingen jeweils am Morgen früh im finsteren auf einen einstündigen Spaziergang. Danach kriegte ich mein Frühstück, und der Märku ging arbeiten. Am Abend gingen wir wieder spazieren, und ich konnte meine Geschäfte verrichten. Das ging alles gut, bis da einmal an einem Abend zwei Menschen in so komischer blauer Kleidung daher kamen. Sie erzählten, jemand behauptet, der Märku schaue nicht gut zu mir, und sie müssten das jetzt abklären. Sie stellten dem Märku viele Fragen, die er beantworten musste. Einer verlangte noch ein „Sitz‟ von mir, was ich auch brav tat. Aber Gudeli kriegte ich dafür keines. Sie haben daraufhin festgestellt, dass wir uns im legalen Rahmen bewegen. Soweit alles gut. Nur eines hatten sie auch noch herausgefunden. Ich habe zwar einen deutschen Chip, war aber nicht in der Anis-Datenbank, oder wie das Ding jetzt heisst, gemeldet. Ja, das ging leider vergessen. Hat den Märku glatte Fr. 150.— Busse gekostet. Wurde aber mittlerweile in Ordnung gebracht. Wobei, was macht ihr Menschen immer für ein Aufhebens wegen diesem Chip? Wir fahren Hyundai, und nicht Jeep!

Heute gehe ich vieles etwas gemütlicher an. Gehe lieber meinen eigenen Weg, und mag nicht mehr mit allen herum rennen, obwohl mir das herumrennen immer noch Spass bereitet. Am meisten Spass bereitet mir immer noch, wenn ich in einem Gewässer Schwimmen kann. Aber viel höher schlägt mein Herz, wenn ich im Schnee herumtollen kann. Das macht richtig Spass.

Auffi
P.S.: Mit „Auffi‟ geht der Lift nach oben, also an den Seitenanfang. ...auf die Idee, „Nach oben‟ zu schreiben, kam ich anfangs nicht.